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Netzwerk Häusliche Gewalt im Landkreis Stade



Das Netzwerk Häusliche Gewalt gibt es seit 2002, seitdem es das Gewaltschutzgesetz gibt. Ihm gehören Vertreter und Vertreterinnen aller Einrichtungen, die mit häuslicher Gewalt zu tun haben, an. Dazu gehören zum Beispiel BISS-Beratungsstelle, aber auch andere Beratungsstellen, der Kinderschutzbund, Gleichstellungsbeauftragte, Einrichtungen wie die Justiz, die Polizei, die Jugendämter, das Frauenhaus, Lichtblick und viele andere., Die Mitglieder des Netzwerkes sorgen im Hintergrund dafür, dass Sie als Opfer von häuslicher Gewalt gut informiert, beraten und betreut werden.

Das Netzwerk hat 2008 ein großes öffentlichkeitswirksames Projekt aufgelegt. Es wurden Standpunkte gegen Gewalt an Frauen gesammelt. Diese bundesweite Aktion, zu der der Verband der Frauennotrufe und -beratungsstellen aufgerufen hatte, fand im Landkreis Stade großen Zuspruch.



Das Netzwerk Häusliche Gewalt thematisierte diese Form der Gewalt öffentlich, so zum Beispiel 2005 mit der Aktion "Gewalt kommt nicht in die Tüte!"

Kooperationspartner waren die Bäcker Kohrs aus Stade und Himmelpforten, Wichers aus Freiburg/E. und Hillert aus Harsefeld. Sie haben damals Brötchen in Tüten mit dem Aufdruck "Gewalt kommt nicht in die Tüte!" verkauft. Weitere Kooperationspartner waren die evangelischen und die katholischen Kirchen. So wurde in einigen Gottesdiensten die häusliche Gewalt durch die Pastoren thematisiert. Ein weiterer Kooperationspartner war außerdem das Tageblatt, das seine Leserschaft durch redaktionelle Beiträge und Anzeigen auf das Thema aufmerksam machte.

Wenn Sie sich über das Gewaltschutzgesetz und über die Hilfsstrukturen im Landkreis Stade informieren möchten, dann klicken Sie bitte hier bzw. schauen Sie auf unsere Website  www.netzwerk-haeusliche-gewalt.de. Hier finden Sie auch ab Anfang März 08 die Fotos aus der Aktion "Der richtige Standpunkt: Gegen Gewalt an Frauen" .

 

Die nächsten Sitzungen des Netzwerkes Häusliche Gewalt  in 2011 finden am 20.01. (Themenschwerpunkt: Hilfsstrukturen im Landkreis Stade), am 07.04.  sowie am 22.09. statt..


Fortsetzung über die Netzwerksitzung mit dem Schwerpunkt "Migrantinnen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind:

Dabei kam zusammenfassend heraus, dass Migrantinnen genauso betroffen sind von der Gewalt durch ihre Partner wie ihre deutschen Geschlechtsgenossinnen. Die Gewalt der Männer unterscheidet sich in Hinblick auf die deutschen Täter gar nicht.
Kleine Unterschiede gibt es in dem Aufkommen von häuslicher Gewalt: Auffallend war, dass insbesondere türkische Frauen und solche aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Gewalt stärker erleben.

26 Prozent der Frauen deutscher Herkunft haben mindestens einmal körperliche und / oder sexuelle Gewalt in einer früheren oder aktuellen Partnerschaft erlebt. Bei den Frauen aus der ehemaligen UdSSR waren es 27 Prozent und bei Frauen türkischer Herkunft 37 Prozent.:
Auffallend war weiterhin, dass 62 Prozent der befragten Migrantinnen die örtlichen Hilfsstrukturen kannten, jedoch  nur 11 Prozent sich Hilfe holten. Es gebe keine typischen Muster von Gewaltabläufen, auch die sind so unterschiedlich, wie wir sie in deutschen Familien antreffen.
Die Konsequenzen, die sich für betroffene Migrantinnen aus häuslicher Gewalt ergeben, können jedoch gravierend sein. Neben der Angst vor weiterer Gewalt, der Angst um den Schutz ihres Lebens und den ihrer Kinder sowie der Angst zu verarmen, denn oft stehen die Migrantinnen in materieller Abhängigkeit von ihren Peinigern, müssen Frauen aus anderen Kulturen befürchten, ihren Aufenthaltsstatus zu verlieren. Das kann in den Fällen eintreten, wenn die Frau keinen eigenen Aufenthaltsstatus hat. In dem Fall kann es den Betroffenen passieren, dass sie und ihre Kinder aus der deutschen Heimat ausgewiesen werden. Viel mehr als ihre deutschen Mitbürgerinnen haben Migrantinnen Angst vor Diskriminierungen, denen sie ohne männlichen Partner ausgesetzt sind. Dies gilt insbesondere in den Fällen, in denen die Frauen die deutsche Sprache nicht gut beherrschen.
Die Netzwerkmitglieder berichteten aus ihrer professionellen Erfahrung von der Tragik des männlichen Ehrbegriffs, der in vielen migrantischen Familien vorherrsche. Frauen, die sich in die Beratung begeben und sich nach langem Martyrium entschieden, nicht zum Partner zurückzukehren, sondern sich zu trennen, müssten oft hinnehmen, nicht nur aus ihren Familien, sondern auch aus ihren Familienclans als „Verräterinnen“ ausgestoßen zu werden. Diese Entscheidung kann dann tragisch sein: Sie verlieren nicht nur ihre Eltern und Geschwister, sondern laufen auch Gefahr, sich zeitlebens verstecken zu müssen, um einem tödlichen Racheakt der Familie zu entgehen.
Die Netzwerkmitglieder sprachen sich für eine Verbesserung der Situation dieser betroffenen Gruppe von Frauen aus. So soll die Frage, wie interkulturelle Hürden künftig in den Einrichtungen im Kreisgebiet abgebaut werden können, in den nächsten Sitzungen des Netzwerkes näher erörtert werden. Das Netzwerk sprach sich für eine noch feingliedrigere Vernetzung unter den professionellen Hilfseinrichtungen aus und möchte für seine Mitglieder einen Workshop zur Verbesserung der interkulturellen Kompetenz anbieten.
Beim nächsten Netzwerktreffen wird am 22. Oktober wird das Thema Täterarbeit im Vordergrund stehen. Weitere Auskünfte über das Netzwerk finden Sie unter www.netzwerk-haeusliche-gewalt.de
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