Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Stade

Anne Behrends

Tel.: +49 (0)4141 12 1005

logo.stopsexkaufDas Netzwerk „Stop Sexkauf“

Das Netzwerk Stop Sexkauf wurde vor vielen Jahren von KOFRA e.V. München mit dem Ziel eines Prostitutionsverbots in Deutschland gegründet. Heute arbeitet dieses Netzwerk europaweit daran, die Prostitution in ganz Europa zu verbieten. Insbesondere schaut Europa sehr kritisch auf das 2016 novellierte, noch immer sehr liberale deutsche Prostitutionsgesetz. Der Schutz der Prostituierten war Ziel der Gesetzesinitiative der Ministerin Schwesig. Aber die Politik konnte sich noch nicht mal entscheiden, zum Beispiel ein Mindesalter für junge Frauen und Männer einzuführen. Leider bleibt das Gesetz stark hinter den Erwartungen vieler Kritikerinnen zurück.

Stop Sexkauf ist vernetzt mit der European Women’s Lobby in Brüssel und ihrer Kampagne “Für ein Europa frei von Prostitution”, in der sich Gruppen aller europäischen Länder engagieren und sich gegenseitig darin unterstützen, in ihren Ländern Sexkauf zu beenden. Das Schwedische Modell des Prostitutionsverbotes mit der Bestrafung der Sexkäufer und der Entkriminalisierung der Prostituierten gilt als das Ideal, das auch für Deutschland angestrebt wird. In Schweden, Norwegen, Finnland, Island, Nordirland, Kanada und Frankreich gibt es das bereits.

Was sind die Motive für Stop Sexkauf?

Die sexualisierte Gewalt und der Missbrauch, den Prostituierte erleben, das Sklavendasein vieler Prostituierter vor allem aus den osteuropäischen Ländern, die Verletzung der Menschenwürde der Prostituierten, die zum Beispiel für Flatrate-Angebote jederzeit bereitstehen müssen.  Für hoch schwangere Frauen, Kinder und Jugendliche zahlen Sexkunden hohe Aufpreise.Weitere Motive: die enorme Ausbreitung der Sexindustrie, die Vermarktung des Frauenkörpers in aller Öffentlichkeit und das kriminelle Umfeld der Prostitution mit Frauenhandel.
„Deshalb: Prostitution kann niemals ein Beruf für Frauen sein! Prostitution verletzt die Menschenwürde der Frau, sie demütigt und entwertet Frauen. Frauen werden in der Prostitution schwer traumatisiert und gesundheitlich geschädigt, oft lebenslang, auch wenn sie sich „freiwillig“ für die Prostitution entschieden haben“, so Anne Behrends. Auch sie engagiert sich für ein Verbot der Prostitution mit der Bestrafung der Sexkäufer.

http://www.womenlobby.org

Stop Sexkauf / Infobox 1
Prostitutionsverbot in Schweden

Prostitutionsverbot in Schweden


 Gunilla Ekberg, Beraterin der Regierung in Schweden zur Umsetzung des Prostitutionsverbots 1999, war am 25. November auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten zu Gast in Stade. Ekberg ist noch heute Beraterin vieler Regierungen, die über ein Prostitutionsverbot nachdenken.
Außerdem referierte die Expertin im Dezember 2014 auf dem Kongress „Stop Sexverkauf“ in München und informierte darüber, welche Erfahrungen Schweden mit dem Prostitutionsverbot macht und welche Auswirkungen dies auf die Gesellschaft hat.

 

Das Gesetz:


In Schweden gibt es seit 1999 das Gesetz, das die Prostitution verbietet.

Aber schon damals und noch heute gab es starke Widerstände vonseiten der Männerbünde, die sich und ihre Interessen in Frage gestellt sahen. 

Zitate von Gunilla Ekberg:

„Die Prostitution ist das Fundament der patriarchalen Gesellschaft“ 

und: „Sexkauf schafft Legalität für den Menschenhandel und die organisierte Kriminalität.“

In Schweden werden die Sexkäufer bestraft, aber auch die Bordellbetreiber_innen und Menschenhändler_innen. Die Prostituierten werden nicht bestraft, weil man weiß, dass sie

oft nicht freiwillig in dem Dienst sind, sondern dazu gezwungen werden.


Die Umsetzung des Gesetzes in die Praxis

Simon Häggström, Vertreter der Stockholmer Police Force, berichtete aus der polizeilichen Praxis: In den drei größten Städten Schwedens gibt es Polizeieinheiten, die auf die Prostitution spezialisiert sind. Alle Mitarbeiter_innen der Polizei müssen ein Papier als Verhaltens- und Moralkodex unterschreiben, mit dem sie sich verpflichten, jede Form der Gewalt und Unterdrückung der Frau zu verurteilen. Ohne diese Unterschrift und das entsprechende Verhalten wird kein Polizist in einer solchen Einheit arbeiten können. („zero tolerance“)


Da die Prostitution nicht auf Kontaktanzeigen verzichten kann, spürt die schwedische Polizei im Internet die Prostituierten in den Kontaktanzeigen auf. (Diese schwedischen Polizisten sind sehr versiert im Internet, erfahren spezielle Schulungen.) 

Sie  nehmen inkognito Kontakt zu der Prostituierten auf, um die Adresse zu erfahren. Mit dieser Adresse im Visier können sie die interessierten Sexkäufer sehr schnell dingfest machen. Wenn die Frauen in der Kontaktanzeige noch sehr jung scheinen, überzeugen sie sich vor Ort mit einem fingierten Motiv vom Alter der Frau/des Mädchens („Entschuldigung, ich habe meine Geldbörse vergessen, komme gleich noch mal zurück“).

Die Sexkäufer werden bestraft – Geldstrafe oder 50 Tage bis zu einem Jahr Gefängnis. Übrigens wurde bis 2015 keine einzige Frau als Sexkäuferin verurteilt.

Wichtig ist aber nicht nur die Fokussierung auf die Sexkäufer, sondern auch auf die Sex-Verkäufer-Lobby. Es gibt in Schweden keine Bordelle, aber „Eskort-Angebote“.

Zitat von  Simon Häggström

„There is a God that makes men defend and establish prostitution: money.“

Es reicht aber nicht, die Sexkäufer zu kriminalisieren, sondern neben dem Gesetz muss es eine Reihe von Angeboten für den Ausstieg von Prostituierten geben: Schutz, Beratung, Qualifikation, Ausbildung, Aufenthaltsrecht, so Ekberg.

 

Stop Sexkauf / Infobox 2
Mythen rund um die Prostitution, die (nicht nur) in Deutschland kursieren....

Mythen rund um die Prostitution, die (nicht nur) in Deutschland kursieren....

Schweden hat die Bevölkerung davon überzeugt, dass die gängigen Argumente gegen die Prostitution Mythen sind, die man schnell widerlegen kann.

1. „Die  Prostitution abzuschaffen würde bedeuten, dass noch mehr Frauen und Mädchen vergewaltigt würden und dass der Sexkauf sich im Untergrund abspielen würde.“ 

Antwort darauf: In Schweden nicht. Natürlich ist die Prostitution nicht verschwunden, es gibt sie in einer anderen Form, aber da es immer die Kontaktsuche im Internet geben wird, spürt die Polizei die Prostitution leicht auf. Es gibt nicht mehr sexualisierte Übergriffe in Schweden als vor der Gesetzesänderung.

2. „Frauen, die als Prostituierte arbeiten, haben dies frei selbst entschieden. Es ist ein Job wie jeder andere.“

Antwort darauf: Wie kann es dann sein, dass die Mehrheit der Prostituierten Migrantinnen sind, die all zu oft kein Wort deutsch sprechen. Diese Frauen können noch nicht einmal um Hilfe und Schutz bei der Polizei bitten, weil sie wissen, dass ihre Zuhälter sie dann bestrafen. Und weil sie wissen, dass sie dann schnell in ihre Heimatländer ausgewiesen werden. Es geht hier um eine moderne Form der Sklavenhaltung.

3. „Bei der Prostitution geht es um die sexuelle Freiheit in Deutschland.“

Antwort: Liberale Frauen und Männer glauben, dies sei eine Errungenschaft der sexuellen Freiheit in unserem Staat. Aber um wessen sexuelle Freiheit geht es dabei? Beim Sexkauf geht es um die Freiheit des Sexkäufers, die Frauen zu missbrauchen, zu vergewaltigen, zu schänden und zu entehren. (Flatrate-Angebote u.ä.)

4. „Die Prostitution kann man nicht verbieten, denn es wird sie immer weiter geben.“ 

Antwort: Es wird den Sexkauf weiterhin geben, aber so wie die Pädophilie oder der Mord bei uns eine Straftat ist, so wäre auch die Prostitution verboten und Sexkäufer müssten mit einer Strafe rechnen. In Schweden ist die Prostitution erheblich zurückgegangen und insbesondere für Frauen- und Menschenhändler ist Schweden uninteressant geworden.
Auch die Sklaverei wurde vor mehreren Jahrhunderten abgeschafft, weil sie verboten wurde. Dies war damals in Nordamerika undenkbar!

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